DialogMomente

Andrea Schmidt

Transformativ coaching

20.07.2026

Es fühlt sich eigentlich ganz gut an, oder? Das Gehalt kommt pünktlich, die Abläufe sind Routine, die KollegInnen sind an den meisten Tagen nett. Gelegentlich kleine Krisen und schlaflosen Nächte wegen Überforderung. Doch irgendwann schleicht sich dieses leise, lästige Gefühl ein:War das wirklich schon alles? Du spürst immer mehr eine Unzufriedenheit und vielleicht beginnst du gedanklich aus dem alten Job auszuchecken. Der nächste Schritt ist noch völlig vernebelt. Oder lässt es sich doch gut leben in dieser Komfortzone und du musst da eben durch? Irgendwie hängst du fest. 


Willkommen im „Dazwischen“. Psychologen nennen diesen Zustand liminalen Raum– die Schwelle zwischen dem, was war, und dem, was kommt. Den Raum zwischen Stillstand und Veränderung. 


Das Paradoxon der Sicherheit: Warum Stillstand schmerzt

Der Mensch liebt Vorhersehbarkeit. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Energie zu sparen und Risiken zu minimieren. Ein stabiler Job füttert dieses Sicherheitsbedürfnis perfekt. Das Problem dabei: Wir Menschen brauchen auch Wachstum, Sinn und das Gefühl, wirksam zu sein.

Wenn du jahrelang unter deinen Möglichkeiten bleibst oder eine Arbeit tust, die dich innerlich kaltlässt, droht einBoreout– die Erschöpfung durch Unterforderung und Sinnentleerung. Das Gefühl, festzustecken, ist kein Zeichen von Undankbarkeit gegenüber einem "guten Job". Es ist das Alarmsignal deiner Psyche, das dir sagt:Hier gibt es für dich nichts mehr zu lernen.


Das Phänomen „Dazwischen“: Warum der Nebel Sinn macht

Wenn wir unzufrieden sind, wollen wir meistens sofort eine Lösung. Wir wollen das unangenehme Gefühl des Unwissens wegorganisieren. Also schreiben wir hastig Bewerbungen auf Stellen, die eigentlich nur eine Kopie unseres alten Jobs sind – Hauptsache, die Unsicherheit ist weg.

Genau das ist der Fehler. Wenn du im Dazwischen feststeckst, hast du die seltene Chance, das Fundament neu zu bauen. Du bist nicht mehr blind für die Fehler des alten Systems, aber noch nicht voreingenommen vom neuen. Nutze diese Phase nicht zum Verzweifeln, sondern als strategische Denkpause.


Warum das „Dazwischen“ die beste Zeit für dein IKIGAI ist

Meistens fühlt sich diese Phase verdammt unangenehm an. Sie ist geprägt von Unsicherheit, Zweifeln und oft auch den Nachwehen einer echtenSinnkrise im Job. Doch genau dieses scheinbare Vakuum ist der fruchtbarste Boden, um dein Ikigai zu entdecken. Warum? Weil du endlich den Kopf frei hast. Wenn du mitten im Hamsterrad steckst, hast du keine Energie, um groß über den Sinn des Lebens nachzudenken. Im Dazwischen hingegen bist du ungefiltert und bereit für eine echteberufliche Veränderung.


Die Ikigai-Matrix: Dein neuer Kompass

Ikigai bedeutet übersetzt so viel wie „das, wofür es sich zu leben lohnt“. Im beruflichen Kontext entsteht es an der Schnittstelle von vier Dimensionen. Wenn du das Gefühl hast festzustecken, liegt das meistens daran, dass eine oder mehrere dieser Säulen in Schieflage geraten sind:

Was du liebst:Deine echten Interessen – worüber liest du in deiner Freizeit?

Worin du gut bist:Deine Talente, aber auch hart erarbeitete Fähigkeiten.

Was die Welt braucht:Wo gibt es echten Bedarf, Probleme oder Märkte?

Womit du Geld verdienen kannst:Wer bezahlt dich für diese Leistung?


Wer nur tut, was er liebt und was die Welt braucht, hat ein schönes Hobby, wird aber arm (fehlendes Geld). Wer nur tut, was Geld bringt und worin er gut ist, landet im goldenen Käfig (fehlende Liebe und Sinn). Ziel der Neuorientierung ist die Balance.


Dein Fahrplan aus der Sackgasse

Klarheit findet man nicht durch reines Nachdenken auf dem Sofa, sondern durch gezieltes, strukturiertes Handeln. Dieser Vier-Schritt-Prozess bringt dich aus dem Festhängen in die Umsetzung:


1.Die innere Inventur: Fokus auf dich selbst.

Nimm dir die ersten beiden Kreise deines Ikigai vor. Schreibe radikal ehrlich auf: Was hat dir in den letzten Jahren im Job wirklich Energie gegeben und was hat sie dir geraubt? Notiere dir deine Kernkompetenzen – auch die, die nicht in deinem aktuellen Arbeitszeugnis stehen (z. B. Konfliktlösung, Organisationstalent oder kreatives Schreiben).


2.Den Außenbereich scannen: Fokus auf den Markt.

Überprüfe die Kreise „Was die Welt braucht“ und „Womit man Geld verdienen kann“. Suche gezielt nach Branchen und Trends, die wachsen (z. B. Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Bildung). Wo überschneiden sich diese Trends mit deinen Fähigkeiten aus Schritt 1?


3.Micro-Prototyping starten: Risikofreies Testen.

Du musst nicht gleich kündigen oder ein neues Studium beginnen. Baue kleine „Prototypen“ deines neuen Wunschberufs. Mach ein Wochenend-Seminar, sprich mit Menschen auf LinkedIn, die diesen Job bereits machen, oder nimm an einem ehrenamtlichen Projekt teil. So testest du die Realität, bevor du dich festlegst.


4.Die Brücke bauen: Strategischer Übergang.

Erstelle einen konkreten Übergangsplan. Wie viel finanzielle Rücklagen hast du? Welche Weiterbildung brauchst du noch? Setze dir eine Deadline, wann du den ersten echten Bewerbungsprozess startest oder dein Nebengewerbe anmeldest.


Wie du das „Dazwischen“ nutzt: Beispiele aus der Praxis

Um dein Ikigai (die Schnittmenge aus dem, was du liebst, worin du gut bist, was die Welt braucht und womit du Geld verdienen kannst) zu finden, musst du aus dem Kopf und ins Tun kommen.


Beispiel 1: Vom Marketing-Stress zur Nachhaltigkeit

  • Die Ausgangslage: Sarah steckte in einer tiefen Sinnkrise im Job. Als Marketing-Managerin für Fast-Fashion fühlte sie sich leer. Sie kündigte ohne neuen Job.
  • Das Dazwischen: Statt sofort Bewerbungen zu schreiben, nutzte sie die Zeit für ein zweiwöchiges Praktikum auf einem Bio-Bauernhof und half ehrenamtlich beim Aufbau einer lokalen Food-Sharing-Initiative.
  • Das Ergebnis: Sie fand heraus, dass sie ihre Marketing-Skills (Worin sie gut ist) für nachhaltige Projekte (Was die Welt braucht & was sie liebt) einsetzen will. Heute berät sie Green-Tech-Start-ups.


Beispiel 2: Vom Friseur zur Stilleoase 

  • Die Ausgangslage: Lea ist Friseurin. Sie liebt ihren Job, nur die endlosen, für sie meist sinnlosen Gespräche mit den KundInnen brachten sie an ihre Grenzen. Sie entwickelte regelrecht eine Abneigung gegen ihre KundInnen. Eine berufliche Veränderung war unumgänglich.
  • Das Dazwischen: Lea nahm sich einen Monat Auszeit, besuchte ein Stilleseminar, um wieder bei sich anzukommen. Während ihrer Zeit im Stilleseminar frisierte sie Kursteilnehmende ganz ohne reden zu müssen. 
  • Das Ergebnis: Lea merkte, dass sie das Frisieren nach wie vor liebt und das ein bewusster Verzicht auf Sprechen ganz natürlich eine Vertiefung und ein Mit-sich-sein bringt, wonach viele in der heutigen lauten und schnelllebigen Zeit suchen. Sie eröffnete einen Friseursalon mit dem Konzept:“ Eintauschen in eine Zeit ohne Worte“. 


Deine To-do-Liste für dein „Dazwischen“

Nutze diese Phase strategisch, um systematisch Klarheit finden zu können. Hier sind deine konkreten Aufgaben:


To-do 1: Das „Schattierungsexperiment“ (Prototyping)

  • Was zu tun ist: Warte nicht auf den perfekten Job, sondern teste deine Interessen im Kleinen. Mach einen Wochenendkurs, biete deine Hilfe bei einem Projekt von Freunden an oder besuche eine Fachmesse einer fremden Branche.
  • Ziel: Du merkst sofort am eigenen Leib, ob ein Bereich dich energetisiert (Ikigai-Potenzial) oder langweilt.


To-do 2: Das Stärken-Interview

  • Was zu tun ist: Schicke 5 Menschen aus deinem Umfeld (Ex-Kollegen, Freunde, Familie) eine kurze Nachricht:„Ich befinde mich gerade in einer beruflichen Neuorientierung. Was würdest du sagen, sind meine drei größten Stärken und in welchen Momenten erlebst du mich besonders begeistert?“
  • Ziel: Fremdwahrnehmung deckt oft blinde Flecken deiner Ikigai-Kreise auf, die du selbst übersiehst.


To-do 3: Die „Was die Welt braucht“-Recherche

  • Was zu tun ist: Lies eine Woche lang keine Daily News, sondern suche gezielt nach Zukunftstrends, Reportagen über soziale Innovationen oder Probleme in deiner Region, die noch ungelöst sind.
  • Ziel: Du fütterst deinen Verstand mit Möglichkeiten, wo deine Fähigkeiten einen echten Mehrwert stiften könnten, statt dich vom Status Quo frustrieren zu lassen.


Das Dazwischen ist keine verlorene Zeit und kein Makel im Lebenslauf. Es ist die Startrampe für das, was wirklich zu dir passt.


Wenn du jetzt spontan an dein eigenes „Dazwischen“ denkst: Welche kleine, risikofreie Aktion oder welches Experiment könntest du noch in dieser Woche starten, um deiner beruflichen Wahrheit ein Stück näherzukommen.


Warum ein Coaching der Turbo für deinen Neustart ist

Den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen, ist völlig normal, wenn man mitten in einer beruflichen Sackgasse steckt. Man dreht sich gedanklich im Kreis. Genau hier kommt Berufliches Coaching ins Spiel. Ein Coach ist kein Ratgeber, der dir sagt, was du tun sollst, sondern ein Katalysator für deine eigene Klarheit.


  • Blinde Flecken aufdecken: Wir selbst unterschätzen oft unsere größten Stärken, weil sie uns selbstverständlich erscheinen. Ein Coach spiegelt dir deine Talente wider.
  • Glaubenssätze auflösen: Sätze wie „In meinem Alter wechselt man nicht mehr“ oder „Ich kann doch nichts anderes“ sind die stärksten Gitterstäbe deines Käfigs. Im Coaching werden diese Blockaden systematisch hinterfragt.
  • Struktur ins Chaos bringen: Eine Neuorientierung kann überwältigend wirken. Ein Coach hilft dir, den großen Berg in kleine, machbare Etappen zu zerlegen.


Fazit: Halte die Lücke aus

Das Gefühl, festzustecken, ist das Startsignal für deine berufliche Veränderung. Betrachte das „Dazwischen“ nicht als verlorene Zeit, sondern als die Vorbereitungsphase für ein Arbeitsleben, das endlich wieder zu dir passt. Dein Ikigai wartet nicht in der Komfortzone – es wartet genau in dem Moment, in dem du den Mut hast, den Nebel Schritt für Schritt zu durchschreiten.

Diese Website verwendet Cookies. Bitte sehen Sie unsere Datenschutzrichtlinie für Details.

Cookie-Einwilligung


Diese Seite nutzt einwilligungsbedürftige Cookies und Technologien von Drittunternehmen zur Integration bestimmter Funktionen. Wenn Sie hier einwilligen werden diese Funktionen aktiviert. Nach der Einwilligung verarbeiten wir und die betroffenen Drittunternehmer Ihre personenbezogenen Daten für verschiedene Zwecke. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit widerrufen oder Ihre Cookie-Einstellungen anpassen. Detaillierte Informationen zu Zweck, Rechtsgrundlage, Drittunternehmen können Sie unserer Datenschutzerklärung entnehmen.


Alle akzeptieren Ausgewählte akzeptieren Ablehnen