DialogMomente
Andrea Schmidt
Transformativ coaching
In den letzten Jahren hat sich in der Arbeitswelt ein spürbarer Wandel vollzogen. Weg vom hierarchischen Command & Control, hin zu empathischer, bedürfnisorientierter Führung und Formaten wie Ikigai-Coaching. Das ist im Kern fantastisch: Menschen wollen mit Sinn arbeiten, verstanden werden und gesund bleiben.
Doch auf den Fluren (und in den Slack-Channels) vieler HR-Abteilungen macht sich heimlich ein ganz anderes Gefühl breit: Erschöpfung.
Denn wo verläuft die Linie zwischen echter psychologischer Sicherheit und einer Kultur, in der jede individuelle Befindlichkeit zur betrieblichen Angelegenheit hochstilisiert wird?
Wenn Führung zum Mikromanagement von Befindlichkeiten verkommt
HR-Manager und Führungskräfte stehen aktuell unter enormem Druck. Sie sollen:
Das Problem entsteht, wenn Bedürfnisse mit Befindlichkeiten verwechselt werden.
Ein Bedürfnis ist essenziell: Verlässlichkeit, Respekt, klare Prioritäten, gesundes Belastungsmanagement.
Eine Befindlichkeit ist oft temporär oder komfortgetrieben: Die Unlust, sich an Veränderungsprozesse anzupassen, der Wunsch nach einer Extrawurst bei der Aufgabenverteilung oder die Erwartung, dass der Arbeitgeber für jedes persönliche Unwohlsein eine maßgeschneiderte Lösung parat hat.
Wenn Führungskräfte versuchen, alle Befindlichkeiten zu berücksichtigen, passiert folgendes:
Was Ikigai wirklich bedeutet (und was nicht)
Hier kommt Ikigai ins Spiel – das japanische Konzept für das, wofür es sich zu leben (und zu arbeiten) lohnt. Viele verstehen Ikigai fälschlicherweise als eine Art „Wohlfühl-Oase“, in der Arbeit nur noch Spaß machen muss.
Das ist ein Irrtum. Ikigai besteht aus vier Kreisen:
Echte bedürfnisorientierte Führung im Sinne von Ikigai nimmt die Punkte 3 und 4 genauso ernst wie 1 und 2. Es geht um Beitrag und Entfaltung innerhalb eines funktionierenden Rahmens – nicht um die Eliminierung jeglicher Unannehmlichkeit.
Fazit: Klare Kante aus Empathie
Bedürfnisorientierte Führung bedeutet nicht, keine Ansprüche mehr zu stellen. Im Gegenteil: Echte Empathie fordert und schützt Grenzen.
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