DialogMomente
Andrea Schmidt
Transformativ coaching
Es ist 6:30 Uhr morgens. Der Wecker reißt dich aus dem Tiefschlaf. Du setzt dich auf, die Füße berühren den kalten Fußboden, und du verharrst genau dort – auf der Bettkante.
In diesem Moment läuft das gewohnte Programm in deinem Kopf ab: „Ich bin so müde. Ich will nicht. Aber ich muss ja zur Arbeit. Ich muss schließlich mein Leben finanzieren und überleben.“
Willkommen bei der Bettkantenentscheidung. Einem täglichen Mikrodrama, das wir fast alle kennen. Doch der Gedanke, dass du aufstehen musst, ist eine der größten Illusionen unseres Alltags.
Das Phantom der „Muss-Annahmen“
Wir haben uns über Jahre hinweg ein dichtes Netz aus „Muss-Annahmen“ gewoben. Wir reden uns ein, dass wir keine Wahl hätten.
Verstehen wir uns nicht falsch: Natürlich gibt es biologische Zwänge (wir müssen atmen, trinken, schlafen). Aber die Vorstellung, man müsse morgens zur Arbeit gehen, um zu überleben? Das stimmt in unserer modernen Gesellschaft schlichtweg nicht. Du wirst nicht sofort sterben, wenn du heute im Bett bleibst. Warum stehst du also trotzdem auf?
Die Wahrheit über deine Entscheidungen
Du stehst nicht auf, weil du musst. Du stehst auf, weil der Preis fürs Liegenbleiben (Kündigung, Geldsorgen, Existenzangst, Gesichtsverlust) höher ist als der Preis fürs Aufstehen (Müdigkeit, 8 Stunden Arbeit).
Wenn du auf der Bettkante sitzt, wiegst du in Sekundenbruchteilen zwei Preisschilder gegeneinander ab:
Preisschild A (Aufstehen): Ein bisschen Unlust, müde Augen, der Weg ins Büro.
Gewinn: Gehalt, Sicherheit, Dach über dem Kopf, gesellschaftliche Anerkennung.
Preisschild B (Liegenbleiben): Kuschelige Wärme für die nächsten zwei Stunden.
Gewinn: Kurzfristige Bequemlichkeit.
Spätere Kosten: Ärger mit dem Chef, Jobverlust, kein Geld für die Miete, Ungewissheit.
Du entscheidest dich für A. Nicht aus Zwang, sondern weil du ein schlauer Mensch bist, der B für ein verdammt schlechtes Geschäft hält.
Der „Preis der Alternative“ ist das unsichtbare Preisschild, das an jeder Option klebt, die wir nicht wählen. Wir sagen oft: „Ich würde ja gerne X tun, aber ich KANN nicht.“ In Wahrheit lautet der Satz: „Ich könnte X tun, aber ich bin nicht bereit, den Preis dafür zu zahlen.“
Hier sind anschauliche Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen, die dieses Prinzip auf den Punkt bringen:
Situation: Der sichere, aber langweilige 9-to-5-Job
Deine Entscheidung: Du bleibst im Job, obwohl du jeden Tag meckerst.
Die Alternative: Kündigen und dich selbstständig machen oder ein IKIGAI-Coaching machen und dich neu orientieren.
Der Preis der Alternative:
Warum du bleibst: Der Preis von Langeweile und Frust (deine Wahl) ist für dich aktuell niedriger als der Preis der Unsicherheit (die Alternative).
Situation: Das Schweigen im Meeting
Deine Entscheidung: Du nickst die Fehlentscheidung deines Chefs schweigend ab.
Die Alternative: Mund aufmachen, widersprechen und eine bessere Lösung vorschlagen.
Der Preis der Alternative:
Warum du schweigst: Du zahlst mit deinem Selbstrespekt, weil der Preis des Konflikts dir in diesem Moment zu teuer erscheint.
Vom Opfer zum selbstbestimmten Macher
Wenn du dir einredest, du müsstest arbeiten, begibst du dich in eine passive Opferrolle. Du fühlst dich fremdbestimmt, gefangen im Hamsterrad. Sagst du dir hingegen „Ich will heute am Leben teilnehmen und gebe mein Bestes!“, gewinnst du deine Selbstbestimmung zurück.
Das „Muss“-Mindset (Passiv)
Das „Wahl“-Mindset (Aktiv)
„Ich muss zur Arbeit, ich habe keine Wahl.“
„Ich entscheide mich heute für meinen Job und mein Gehalt.“
„Mein Chef verlangt das von mir.“
„Ich bin nicht bereit, das Risiko einer Kündigung einzugehen.“
„Das Leben ist ein Krampf.“
„Ich zahle heute den Preis der Müdigkeit für den Luxus meiner Wohnung.“
Sobald du verstehst, dass du immer das geringere Übel (oder den besseren Gegenwert) wählst, verliert das Wort „Müssen“ seine Macht. Du tust Dinge nicht, weil du gefangen bist – sondern weil dir der Preis der Freiheit in diesem speziellen Moment schlichtweg zu hoch ist.
Was das für deinen morgigen Tag bedeutet
Macht dieser Perspektivwechsel den Montagmorgen plötzlich zu einer Party? Vermutlich nicht. Die Müdigkeit bleibt. Der Kaffee muss immer noch gekocht werden.
Aber wenn du morgen Früh wieder auf dieser Bettkante sitzt und diesen inneren Widerstand spürst, halte für fünf Sekunden inne. Sag dir nicht: „Ich muss.“
Schau stattdessen auf deine Optionen, lächle kurz über das schlechte Preisschild der Alternative und sage dir ganz bewusst: „Ich entscheide mich heute dafür, aufzustehen. Weil mir mein Leben, meine Sicherheit und mein Komfort den Preis wert sind.“
Du hast immer eine Wahl. Und wenn du heute aufstehst, dann als Regisseur deines Lebens – nicht als sein Statist.
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