Menschen haben das Bedürfnis, das eigene Verhalten und das Verhalten anderer Menschen zu verstehen. Dafür müssen sie nach Ursachen suchen, die erklären, warum sie selbst oder jemand anderes sich in einer bestimmten Art und Weise verhält.

In Bezug auf das Verhalten anderer Menschen, haben Menschen die Tendenz, den Einfluss von Persönlichkeitseigenschaften, Einstellungen und Meinungen zu überschätzen. Dabei vernachlässigen wir äußere Faktoren, z.B. den Einfluss der Situation. Ein Grund dafür ist, dass der Fokus der Aufmerksamkeit, besonders in Konflikten, auf der handelnden Person liegt. Da wir in Konflikten in der Regel nur die Person beachten, die wir beobachten, liegt es nahe, auf deren Persönlichkeit, Einstellungen und Meinungen zu attribuieren – und weniger auf die Situation.


Kausaldimensionen:

Alle Begründungen über die Ursache von Ereignissen lassen sich zwei Dimensionen von Ursachen zuordnen, welche jeweils zwei Ausprägungen haben.  


In der Lokalisationsdimension wird zugeordnet, ob die Ursache in der Person selbst (internal) oder außerhalb der Person (external) liegt.

In der Stabilitätsdimension wird zugeordnet, ob die Ursache überdauernd (stabil) oder unbeständig (variabel) ist.


Wenn man diese Dimensionen zusammenbringt, ergeben sich daraus vier Kombinationen:

  • Internal-stabil: Ursache war meine Fähigkeit
  • Internal-variabel: Ursache war meine Anstrengung
  • External-stabil: Ursache war die Aufgabenschwierigkeit
  • External-variabel: Ursache war der Zufall (Glück oder Pech)


Attributionsmuster

Menschen zeigen häufig bestimmte Muster, wie sie Ursachen zuschreiben.

Fundamentaler Attributionsfehler und Akteur-Beobachter-Unterschied:

Die eigene Handlung wird eher mit der Situation begründet, Handlungen anderer eher mit deren Eigenschaften.

Ein Beispiel: Wenn man selbst an einem Morgen zu spät zu einem Termin kommt, liegt es an der Situation (Auto war kaputt oder der Bus ist ausgefallen). Wenn jemand anderes zu spät kommt, wird es eher als Eigenschaft wahrgenommen (Der ist unpünktlich).

Selbstwertdienliche Verzerrungen: Ursachenzuschreibungen werden so vorgenommen, dass sie dem Selbstwert nicht schaden. So wird Erfolg eher internalen Ursachen (Fähigkeit, Anstrengung) zugeschrieben, Misserfolge eher äußeren Umständen.

Der Mensch hat die Tendenz, das Ausmaß zu überschätzen, wie stark das Verhalten von anderen Menschen von internalen, dispositionsbezogenen Faktoren abhängt (und damit die Rolle der situationsbezogenen Faktoren zu unterschätzen). Ursachen werden also primär auf Personen und nicht auf personenexterne Ursachen attribuiert. Zudem besteht eine Differenz zwischen Handelnden und Beobachtern, wenn es um die Benennung der Ursachen eines Effektes geht: Beobachter attribuieren mehrheitlich personal, Handelnde mehrheitlich situational. Daraus ergibt sich ein falscher Konsensus-Effekt (egocentric bias), wonach das eigene Verhalten als weitverbreitet und normkonform angesehen wird, während das Verhalten anderer als selten oder unangemessen eingestuft wird. Der Konflikt ist so förmlich vorprogrammiert.


Die Art, wie du attribuierst, hat Einfluss auf deinen Selbstwert und dein Selbstbewusstsein.

Wenn du in ähnlichen Situationen immer wieder ähnlich attribuierst, dann können sich daraus stabile Beliefs entwickeln. Diese Beliefs, also Überzeugungen über die Welt und die eigene Person haben Einfluss darauf, wie du auch zukünftig dein eigenes Verhalten und das anderer Menschen erklärst. Daraus ergibt sich ein Kreislauf: Jede Situation, in der du in einer bestimmten Art und Weise attribuierst, verstärkt den entsprechenden Belief. Der Belief erhöht wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass du in einer bestimmten Art und Weise attribuierst.

Die Art, wie du das eigene Verhalten und das Verhalten anderer Menschen erklärst, hat also Einfluss darauf:

  • wie du dich fühlst,
  • wie du mit anderen Menschen umgehst,
  • wie leistungsfähig du bist,
  • wie du auf Niederlagen reagierst und
  • ob du dich persönlich weiterentwickelst.


Der erste Schritt um Beliefs zu verändern ist, Attributionsfehler zu reflektieren. Das ist nicht ganz einfach, denn Attributionen haben gleichzeitig Einfluss auf die Wahrnehmung.

Wenn du also überzeugt bist, dass eine bestimmte Attribution richtig und sinnvoll ist, dann wirst du stärker darauf achten, was deine Attribution bestätigt, und das, was die Attribution in Frage stellt, eher übersehen ( Selbsterfüllende Prophezeiungen).

Auch dein Kommunikationsverhalten wird sich wesentlich verändern, wenn du die eigene Tendenz verstehst, den Einfluss von Persönlichkeit, Einstellungen und Meinungen auf das Verhalten anderer Menschen zu überschätzen. Es kann Konflikte entschärfen, auch äußere Faktoren, z.B. den Einfluss der Situation, das Umfeld oder die eigene Wirkung auf den Anderen mit einzubeziehen.

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